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O Estado de São Paulo 9.7.2021



O Estado de São Paulo 9.7.2021



Übersetzung des nachstehenden Artikels von Dr. Bernhard Jankowsky

CORREIOS E CARTAS DAS TRINCHEIRAS DE 1932
(POST UND BRIEFE AUS DEN SCHÜTZENGRÄBEN VON 1932)

Der Philatelist Reinaldo Macedo hat anhand von über 300 Belegen den Postverkehr während der Revolution untersucht, die 1932 im Bundesstaat Sao Paulo ausgebrochen war. Den Brasilien-Philatelisten sind zwar die 11 Marken bekannt, die von den Revolutionären herausgeben wurden, aber wohl kaum die portofreie, mithin markenlose Korrespondenz, die Gegenstand von Macedos Forschung ist. Zusammen mit Eric Apolinário bereitet Macedo auf der Grundlage dieser Forschung ein Buch vor, das am 9. Juli 2022 anlässlich der 90. Wiederkehr der Revolution erscheinen soll.
Die Inhalte der zivilen Korrespondenz sind im wesentlichen belanglos, was zum einen daran liegt, dass die Briefe unverschlossen dem Zensor vorgelegt werden mussten, und zum anderen daran, dass die Revolutionsregierung die Korrespondenz zu propagandistischen Zwecken ausnutzte: Die Briefeschreiber sollten nämlich die Frontsoldaten zum Durchhalten ermutigen, deren patriotischen Gefühle wecken und die Liebe zu Revolution stärken. Mit mehr oder weniger Zwang wurden z. B. ganze Mädchenklassen zum kollektiven Briefschreiben an solche Soldaten aufgefordert, die keine Angehörigen hatten (oder niemanden, der schreiben wollte oder gar konnte). Die Briefe waren insofern wichtige, strategische Waffen für den Krieg. Die Soldaten ihrerseits schrieben Briefe von der Front, möglicherweise sogar aus den Schützengräben – daher der Titel des Zeitungsaufsatzes – und berichteten von Alltag, Liebe und Heimweh. Die Revolutionäre verteilten an die Briefschreiber auch Umschläge und Karten mit propagandistischen Aufdrucken, wie “Der Enthusiasmus der Truppen beschleunigt den Sieg”.
Neben der zivilen Postvewaltung existierte eine militärische, der CORREIO MILITAR MMDC. Die Abkürzung verweist auf vier Opfer der Diktatur, die für die Revolution ihr Leben ließen: Martins, Miragaia, Dráusio und Camargo.
Macedo betont zu Recht, dass während der Revolution, also genau vom 9. Juli bis 2. Oktober 1932, die für Brasilien wohl einmalige Situation bestand, dass 3 Postverwaltungen zur gleichen Zeit aktiv waren (die offizielle Post der Regierung und die beiden revolutionären Verwaltungen, die allerdings auf das Revolutionsgebiet beschränkt waren).
Das Postaufkommen war mit 3000 bis 4000 Sendungen pro Tag beträchtlich, und das angesichts der prekären Beförderungsbedingungen. Post an die Front wurde im allgemeinen nach Ribeirão Preto und Itapeva geschickt und musste dort von den Soldaten abgeholt werden. Die Transportmodalitäten waren zum Teil abenteuerlich, mussten doch alle erdenklichen Gelegenheiten genutzt werden, wie Beförderung zu Fuß, zu Pferde, mit Privatfuhrwerken aller Art.
Wegen der häufigen Truppenbewegungen kam es zu philatelistisch äußerst aussagekräftigen Belegen mit zahlreichen Durchgangs- und Nachsendestempeln – nachgewiesen sind bis zu 8 Stück pro Beleg.
Während der Blockade ging keine Post aus dem Staat S. Paulo heraus und keine hinein. Alle aufgelaufene Post blieb solange bei den Einlieferungspostämtern liegen, und Zeppelin-Belege wurden bis zum Ende der Revolution in Recife aufbewahrt.

(Freie Interpretation eines Artikels von José Maria Tomazela IN: O ESTADO DE SAO PAULO, 3.7.2021, p. A 13)




O Estado de São Paulo 9.7.2021



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Der Forschungsbericht 89 der ArGe Brasilien ist erschienen

Der Forschungsbericht enthält u.a. folgende Artikel:

Mato Grosso: die frühe Postgeschichte
Der Condor-Stempel ANTONINA
1939, Katapultbrief aus Nova Dantzig/Paraná nach Belgien
Druckabweichungen bei Pro-Juventude 1939
Die Seeschlacht bei São Vicente
Die Santa Catarina-Eisenbahn - E.F.S.C.(2)
Halbierungen auf Briefen aus Itabapoanna
Zensuren der Paulistaner Revolution 1932
VARIG-Brief 1927 wie Schiffspost behandelt
Katastrophenpost (3)
Compagnie Messageries Maritimes
Aus der Fälscherwerkstatt
Auktionsberichte Posttarife Brasiliens 2019/2020
Ausgabeprogramm Brasiliens 2021

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